Mimosen – die kleinen Superhelden der heutigen Zeit

Gastbeitrag für Katharina Welan – Wunderbar hochsensibel in Wien

Vor kurzem wurde ich von einer Bekannten gefragt, ob ich nicht einen Blogbeitrag über Hochsensible Kinder schreiben möchte. Da ich mich ja schon seit geraumer Zeit mit dieser Thematik befasse, habe ich gleich zugesagt und dies mit Kinderyoga verknüpft.

 

Was ist eine Mimose?

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich auf einen Vortrag gestoßen, welcher das Thema Hochsensibilität in einer schönen Metapher beschrieben hat – mit dem Bild einer Mimose.

Das Wort Mimose stammt vom lateinischen Wort mimus ab und bedeutetet Schauspieler. Die Mimose gehört zur Familie der Schmetterlingsblüher und wurde als Zimmerpflanze kultiviert. Sie ist dafür bekannt, dass sie auf äußere Einflüsse sehr empfindsam reagiert. Mimosen reagieren auf Berührungs- und Erschütterungsreize, auf Verletzung, sowie auf Änderungen der Lichtintensität und Luftbewegung.

Bei mechanischen Reizen klappen die länglichen, paarig angeordneten Blättchen sekundenschnell zusammen und das gesamte Blatt knickt nach unten ab. Nach einer halben Stunde etwa bewegt sich das Blatt langsam in seine ursprüngliche Position zurück – die Pflanze entfaltet sich sozusagen wieder in ihrer vollen Pracht.

Bei der Haltung sind einige Dinge zu beachten. Der Rückschnitt wird weder bei jüngeren noch bei älteren Pflanzen empfohlen – sie mögen es also nicht „zurückgestutzt“ zu werden. Sie benötigen nicht viel Wasser, sollen immer feucht, aber nicht nass gehalten werden. Sie mögen es hell bis sonnig, pralle Sonne soll jedoch vermieden werden. Die Ambivalenz ist immer gegenwärtig.

Oft wird das Wort Mimose als Synonym für „empfindlich“ verwendet, im Grunde genommen sind Mimosen eine anspruchslose und leicht zu haltende Pflanzenart. Gut zu wissen ist auch, dass das Zusammenklappen der Blätter einen immensen Kraftakt für die Pflanze bedeutet und man alles daran setzen soll, sie diesen Reizen nicht auszusetzen.

Wenn man nun die Eigenschaften der Pflanze, mit hochsensiblen Kindern vergleicht, kann man eindeutig Parallelen ziehen. Hochsensible Kinder sind Vielfühler, kleine Individuen, welche ihre Umwelt viel intensiver als normalfühlige Kinder wahrnehmen. Sie haben jedoch keinen wirklichen Filter für all ihre unterschiedlichen Wahrnehmungen eingebaut – neigen somit zur Reizüberflutung und wissen dann oft nicht, wie sie mit dieser Überforderung umgehen sollen. Es gibt Kinder, welche dann Dampf ablassen und diese Überforderung mit übermäßiger Aktivität und manchmal auch Aggressivität kompensieren. Diese bekommen dann oft den Stempel ADHS aufgedrückt und werden ruhig gestellt. Andere hingegen ziehen sich zurück und fühlen sich körperlich und emotional ausgelaugt. Ihnen werden Eigenschaften von Einzelgängern zugeschrieben.

 

Den Alltag meistern

Für Eltern ist es somit wichtig, ihren kleinen Vielfühlern einen Raum zu schaffen, damit sie ihre Kraft voll entfalten können, und sie ihren Bedürfnissen verständnisvoll entgegnen. Mit den folgenden Denkanstößen zeigt man den Kleinen vorbildhaft, dass man sie nicht in Watte packen will, sondern sie unterstützt den Alltag zu meistern.

  1. Klare Struktur und Rituale

Eine klare Struktur im Alltag schafft Vertrauen. Dies kann einerseits in einer klaren Struktur des Tagesablaufes liegen oder in Ritualen, zB beim Zubettgehen. Eine kurze Fußmassage am Abend beim Einschlafen schafft Nähe und bringt die Energie, welche sich durch eine Reizüberflutung ja meist im Kopf abspielt, nach unten.

 

  1. Rückzugsmöglichkeit schaffen

Eine gute Möglichkeit sich von der Umwelt zurückzuziehen ist, dass sich Kinder zuhause eine kleine Höhle aus Decken, Pölster, etc. im Zimmer bauen oder ein kleines Zelt aufbauen können, welche sie dann mit ihren Lieblingsstofftieren und -spielzeugen beziehen können, um die notwendige Zeit für sich zu finden.

 

  1. Konsum von Inhalten auf mobilen Geräten kontrollieren

Der Konsum von Programmen oder Videos auf Tablets und Handys sollte auf ein „vernünftiges“ Minimum beschränkt werden. Die schnell wechselnden Bilder können ein Kind leicht überreizen, vor allem weil sie in einem Abstand von max. 30 cm konsumiert werden. Ratsam ist es, einen Ausgleich mit spielerischen Bewegungen, am besten in der Natur, zu schaffen.

 

Eine mögliche Alternative zur Bewegung in der Natur ist die spielerische Bewegung im Kinderyoga. Es fördert die altersgerechte Entwicklung des Kindes, unterstützt dessen Stärken, sowie das in Balance bringen seiner Entwicklungspotenziale.

 

Kinderyoga als Erdung

Die Vorteile von Kinderyoga sind vielfältig, die jedoch wichtigste Komponente ist meiner Meinung nach für vielfühlige Kinder sicherlich die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Dazu gehört das In-sich-hineinspüren, Spannung und Entspannung wahrzunehmen und so lernen und zu wissen, wie man seine Grenzen bestimmt und festigt.

Durch spielerische Körperübungen, bewusste Atmung und entspannenden Phantasiereisen wird das Kind aktiv und passiv auf Wahrnehmung geschult, und lernt mit den Anforderungen eines hektischen (Kindergarten- oder Schul-) Alltags besser umzugehen, sowie sich in stressigen und reizüberfluteten Situationen besser auf sich zu konzentrieren und diese gestärkt zu bewältigen.

 

Zusammenfassend sei gesagt, dass die vielfühligen Kinder unserer Zeit eine immense Fähigkeit besitzen und es unser Ziel als Erwachsene sein sollte, diese Kinder zu fördern und ihnen mit gutem Beispiel voran zu gehen, mit ihren „Superkräften“ wohlwollend umzugehen. Denn egal ob vielfühlige oder normalfühlende Kinder und Erwachsene – uns allen tut ENTSCHLEUNIGUNG gut!

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