So alt aber doch so wirksam – die Traditionelle Chinesische Medizin übersichtlich erklärt

5000 Jahre und mehr am Buckel

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) gilt mit über 5000 Jahren wohl als die älteste ganzheitliche Heilkunst der Welt. Sie findet in China neben der westlichen Medizin, als Naturheilkunde, großer Bedeutung und beliebter Anwendung.

Während meines Round The World Trips 2011 habe ich 6 Wochen in China verbracht und war in einem TCM Krankenhaus als Lehrschülerin untergebracht. Es war mir nach meiner Shiatsu-Ausbildung ein großes Anliegen, die TCM vor Ort von Chinesischen Ärzten erläutert zu bekommen. Diesen Wunsch erfüllte ich mir und buchte eine Fortbildung in einem TCM Krankenhaus in Huai Hua. Huai Hua hat 4 Millionen Einwohner (für chinesische Verhältnisse also eine Kleinstadt, für eine österreichische Kleinstädterin wie mich – eine Metropole J) und liegt im Zentral-Süden von China in der Provinz Hunan. Dort war ich für knapp 6 Wochen untergebracht und lernte von Chinesischen Ärzten in Einzelunterricht über Allgemeine Grundlagen der TCM, Akupunktur, Gua Sha, Moxa und Schröpfen. Was mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist dass die Chinesischen Ärzte Kräuterrezepturen nach alten Gedichten lernten – also in Form von Poesie J Ein schönes Bild!

Was mich ein wenig irritiert hat war damals, dass wir im Westen lernen, dass die TCM vorbeugend eingesetzt wird – dort jedoch hat der Arzt gemeint dass ist nicht so, heute vertrauen sie auch auf die westliche Medizin und die Traditionelle Chinesische Medizin wird als Alternative eingesetzt – ähnlich wie bei uns im Westen. Dies scheint einher zu gehen mit der Erkenntnis, dass das ganzheitliche Wissen in der Bevölkerung nicht mehr so präsent ist und nicht mehr in dem Maße weitergegeben wird, als früher.

Das älteste Zeugnis der Traditionellen Weisheiten ist das Yijing. Es wird übersetzt gedeutet als „Der Klassiker der Wandlungen“ und ist eines der ältesten Bücher der Welt. Es beinhaltet die Gesetze der Wandlung von Dingen und Ereignissen und folgt dem grundlegenden Glauben, dass sich die Natur und das Leben in einem Kreislauf von Wachstum und Verfall befinden.

 

Yin und Yang

Das Konzept der bipolaren Gegensätze Yin und Yang findet sich in der Traditionellen Chinesischen Medizin immer wieder. Im schwarz-weißen Yin&Yang Zeichen sieht man, dass im größten Yang ein kleine Yin steckt und im größten Yin ein kleines Yang – nichts ist ohne das andere vollkommen, denn nur zusammen bilden sie ein Ganzes. Yin und Yang sind nicht absolut, sondern nur in Relation zueinander zu sehen und verstehen.

Yin steht für Kälte, Ruhe, Empfänglichkeit, Passivität, Dunkelheit, Abnahme und das Innere. Yang hingegen steht für Hitze, Bewegung, Aktivität, Vitalität, Licht, Zunahme und das Äußere.

Die Polarität besticht somit durch ihre Ganzheitlichkeit.

 

Die Fünf Elemente der Traditionellen Chinesischen Medizin

Die Fünf Elemente der TCM sind Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Diese können untereinander nährend oder kontrollierend wirken.

Das Element Holz steht für Aktivität, Wachstum und Expansion. Es ist das Element des Frühlings, äußert sich in den Augen (Lebermeridian öffnet sich in den Augen) und kontrolliert die Sehnen des Körpers. Das Holzelement umfasst die Meridiane Leber (Yin) und Gallenblase (Yang). Die Kraft des Elements ist Aktivität, Planung, Kreativität und Umsetzung. Verbundene Emotionen sind Wut, Gereiztheit und Frustration.

Das Element Feuer steht für Begeisterung, Lebensfreude und Intuition. Es ist das Element des Sommers, äußert sich in der Zunge und kontrolliert die Gefäße. Das Feuerelement umfasst die Meridiane Herz und Herzkonstriktor (Yin), sowie Dünndarm und Dreifacher Erwärmer (Yang). Die Kraft des Elements ist die Zerstreuung, Bewusstsein und Kommunikation. Verbundene Emotion ist Freude.

Das Element Erde steht für Zentrierung und Identität. Es ist das Element des Spätsommers, äußert sich in Mund/Lippen und kontrolliert das Muskelfleisch und Bindegewebe. Das Erdelement umfasst die Meridiane Milz (Yin) und Magen (Yang). Die Kraft des Elements ist das Sammeln. Verbundene Emotionen sind Mitgefühl und Sorge.

Das Element Metall steht für Struktur und Klarheit. Es ist das Element des Herbstes, äußert sich in der Nase und kontrolliert die Haut. Das Metallelement umfasst die Meridiane Lunge (Yin) und Dickdarm (Yang). Die Kraft des Elements ist die Konzentration. Verbundene Emotion ist Trauer.

Das Element Wasser steht für Regeneration. Es ist das Element des Winters, äußert sich in den Ohren und dem Kopfhaar und kontrolliert die Knochen (Ursubstanz des Körpers). Das Wasserelement umfasst die Meridiane Niere (Yin) und Blase (Yang). Die Kraft des Elements ist das Urvertrauen. Verbundene Emotion ist die Angst.

 

Meridiane

Meridiane sind winzige Kanäle im Körper durch welche die Lebensenergie, auch Qi genannt, fließt. Akupunkturpunkte sind Öffnungspunkte des Meridiansystems an der Körperoberfläche, durch dessen Stimulation das Qi beeinflusst werden kann. Meridiane versorgen Organe und Gewebe mit Qi.

Die wichtigsten Meridiane sind die 12 Hauptmeridiane (diese habe ich bei dem Elementen schon genannt) oder Organmeridiane, und 8 Sondermeridiane oder auch Außerordentliche Gefäße genannt. Die beiden bedeutendsten Sondermeridiane sind Ren Mai und Du Mai, welche an der Mittellinie an der Vorderseite und Rückseite des Oberkörpers verlaufen.

 

Qi

Qi wird als Lebensenergie bezeichnet. Die ursprünglichste Form von Qi ist das angeborene Qi (Jing oder Essenz), welches bei der Zeugung entsteht. Qi ist die vitale Essenz, welche durch eine bewusste Lebensweise (gesunde Ernährung, Bewegung, genügend Schlaf und Ruhe) unterstützt werden kann.

Ein Überschuss an Qi kann in Form von Yang- oder Hitzesymptomen wahrgenommen werden. Dies sind zB Entzündungen, akute und/oder stechende Schmerzen. Ein Mangel an Qi kann in Form von Yin- oder Kältesymptomen wahrgenommen werden. Dies sind zB Frösteln, Taubheitsgefühl und/oder dumpfe Schmerzen.

Es gibt unterschiedlichste Arten von Qi, zB Ying Qi baut den Körper auf, Wie Qi ist das Abwehr-Qi. Nahrungs-Qi wird aus der Nahrung mittels der Funktion des Dreifachen Erwärmers gezogen (mehr dazu folgt in einem anderen Blogbeitrag zum Element Feuer).

 

Zusammengefasst

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist eine komplexe und ganzheitliche Art der Gesunderhaltung des Körpers. Durch spezielle Yoga Asanas kann der Qi-Fluss beeinflusst werden und zu einer nachhaltigen Gesunderhaltung des Körpers positiv beigetragen werden. In einem meiner nächsten Blogartikel werde ich näher auf das Thema Meridian Yoga eingehen und meine Sichtweise schildern, wie man das Wissen der TCM mit Yoga gut und wirkungsvoll kombinieren kann.

 

Namaste, Katharina

 

Bildquelle: 1768749- stockunlimited.com

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